Kulinarische Höhenflüge und Tiefschläge
Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht wirklich viel von Essen halte, d. h. ich esse eigentlich so ziemlich alles, bin also in der Beziehung schon leicht zufrieden zu stellen, aber es ist mehr ein notwendiges Übel als das es für mich von so großer Bedeutung ist. Ich brauche kein Drei-Gänge-Menü um glücklich zu sein, mir reicht auch ein Teller Nudeln mit Tomatensoße.
Daher kommt es wahrscheinlich auch, dass ich keine allzu gute Köchin bin. Zumal ich eh so aufgewachsen bin, dass der Mann im Haus der Koch ist. Da war so, als meine Eltern noch verheiratet waren und ist auch jetzt so, bei dem langjährigen Freund meiner Mama. Bei uns haben eh und je die Männer gekocht.
Auch meine Mama mag nicht gerne in der Küche stehen, nicht, dass sie es nicht könnte, ich finde sie ist eine gute Köchin – zumal sie uns ja auch irgendwie in der Zeit, in der wir zwei Kinder mit ihr alleine waren, versorgen musste. Aber sie macht es eben nicht gerne. Trotzdem waren wir immer zufrieden mit ihren Kochkünsten. Ich kann mich noch gut an unser typisches Sommer-Mittagessen erinnern – Kartoffelbrei mit Rührei und Ketschup und dazu grünen Salat. Ich fand es immer total lecker.
Trotzdem muss ich euch doch über ein paar Kulinaritäten aus Finnland oder solche, die es gerne wären, berichten.
Fangen wir mit den guten Sachen an:
Da wären zuallererst Korvapuusti:
Korvapuusti heißt übersetzt so viel wie Ohrfeigen, sie sind ein Gebäck aus Hefe und viel Zimt, ähnlich wie Zimtschnecken.
Ich weiß gar nicht mehr, wie wir drauf gekommen sind, aber seitdem ich sie das erste Mal probiert habe, sind sie zu meinem absoluten Favoriten aufgestiegen. Wir haben sie, seitdem wir in Finnland sind, schon zwei Mal selber gebacken. Ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Sie sind echt super lecker, müsst ihr unbedingt mal probieren oder ich backe welche für euch.
Hier das Rezept:
5 dl Milch
50 g Hefe
2 Teelöffel Salz
1,5 dl Zucker
1 Esslöffel Kardamom
1 kg Weizenmehl + ein bisschen mehr für das Ausrollen
200 g Margarine o. Butter
Zimt
2 Eier
Hagelzucker Hefe zerkleinern und in warme Milch einrühren, bis sie aufgelöst ist. Dann
Salz, Zucker und Kardamom zugeben. So viel Mehl beimischen, wie die Mischung
braucht, um sämig wie Suppe zu werden. Kräftig rühren, damit der Teig
Luft bekommt. Das restliche Mehl beimischen und zuletzt die weiche Margarine.
Den Teig ansetzen, bis er nicht mehr in der Schüssel kleben bleibt. Teig mit
Plastikfolie abdecken. Der Teig muss auf das Doppelte aufgehen. Das passiert
schneller, wenn man die Schüssel ins warme Wasser setzt. (Nicht den Teig
nass machen!) Ein Halbliter-Teig ergibt 30 Korvapuusti. Eine Weinflasche ohne Etiketten dient als gute Teigrolle. Teig zu einer
rechteckigen Platte ausrollen. Platte dünn einfetten. Eine ganz dünne
Schicht Zimt und Zucker auf die Teigplatte streuen. Anschließend die
Teigplatte längsseits zu einer Rolle formen. Dann die Rolle mit einem
Messer in symmetrische Halb-Parallellogramme schneiden: |/ \ / \ / \ / \ / \| Stücke auf das Backblech legen:
/ \ / \ / \
------------------- Stücke mit dem Finger in der Mitte drucken:
/U\ /U\ /U\
----------------- Die Eier aufbrechen und das Eigelb verquirlen. Die Korvapuusti mit dem Eigelb
bepinseln. Ein bisschen Hagelzucker auf jeden Korvapuusti streuseln. Das
Backblech mit Korvapuusti in den Ofen (225 Grad) schieben. Die
Korvapuusti sind fertig, wenn sie ein goldgelb gebräunt sind. Mit Milch oder Kaffee warm servieren.
Milchprodukte:
Der Milchprodukte-Hersteller schlechthin in Finnland ist Valio. Alles was in irgendeiner Art mit Milch zu tun hat, sei es Milch selbst, Joghurt oder Käse, es wird von Valio hergestellt.
Milchprodukte sind in Finnland sehr beliebt. Nur ein Beispiel: In der Mensa bekommt man zum Mittagessen als Getränk Milch serviert. Die Finnen bedienen sich da immer reichlich, nicht selten sieht man sie mit bis zu drei Gläsern auf ihrem Tablett zum Esstisch laufen. Und die drei Gläser werden dann in einer riesigen Geschwindigkeit gelehrt, als wären sie Verdurstende. (Aber so sehen sie auch aus – viele Finnen sind typische ‚Milchbubis’ J)
Außerdem sind Milchprodukte (im Gegensatz zu anderen Sachen) zu erschwinglichen Preisen zu erhalten. Viele Joghurts gibt es hier im praktischen 1L-Tetrapack – die kaufen wir auch immer, für unser Müsli.
Allerdings muss man auch vorsichtig sein, man darf sich nicht von dem allgemein guten Ruf täuschen lassen. Es gibt auch gemeine Fallen: eine davon ist Viili.
Wir waren auf der Suche nach Quark, um Pellkartoffeln mit Kräuterquark zu machen, und griffen irrtümlicher Weise zu Viili.
Ich habe keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist widerlich, es ist eine zähflüssige Pampe, die wie Leim Fäden zieht, wenn man sie versucht aus ihrem Becher herauszuholen. Und schmecken tuts genauso, wie es aussieht: wie Rotze.
Nein, also das ist wirklich mal ein Tiefschlag.
Süßigkeiten:
Wenn es in Finnland eine Firma gibt, wie Milka oder Ferrero in Deutschland, so ist das hier Fazer.
Alles, was das süße Herz begehrt (vor allem meins) wird von Fazer hergestellt. Fazer ist die Schokoladenfirma schlecht hin und hat einige wirkliche Leckereien zu bieten:
Kismet, Geisha, Fazerina und jede Menge Gebäckarten.
Das müsst ihr probieren bzw. drauf hoffen, dass ich was davon mitbringe. J
Kurkkusalaatti:
Ich bin mir nicht sicher, ob es das in Deutschland nicht auch gibt. Auf alle Fälle haben wir es dort, bei Mailis (unserer Finnischlehrerin) zum ersten Mal gegessen und ich glaube nicht, dass sie das extra aus Finnland einfliegen lässt.
Kurkkusalaatti ist, wie der Name schon verrät, ein Gurkensalat. Aber nicht mit großen Gurkenscheiben sondern alles recht klein gehexelt, zusammen mit Paprika und Zwiebeln, zu einer geleeartigen Masse vereinigt.
Es schmeckt super zu gegrilltem, zum typisch finnischen Essen Lihapullat ja perunamuusi (Fleischbällchen und Kartoffelbrei) oder einfach zu belegtem Brot à unbedingt probieren.
Fisch:
Finnland ohne Fisch ist wie Asien ohne Reis.
Im Land der Seen ist Fisch natürlich ein beliebtes Mahl. Leider haben wir hier bis jetzt nicht so viel davon zu Gesicht bekommen. Allgemein scheint man hier nicht sehr viel Fleisch (ich zähle Fisch jetzt einfach mal mit darunter) zu essen.
In der Mensa gab es bis jetzt ein Mal (O.K., vielleicht liegt es auch dran, das wir nicht oft in der Mensa waren) Fischsuppe. Eine in Milch gekochte Suppe mit Kartoffeln, Möhren und eben Fisch. Echt lecker, hätte ich im ersten Moment gar nicht gedacht.
Aber als wir zu unserem Outdoor-Wochenende in Evo waren gab es lecker Lachs in einer Kräutersoße und letzte Woche hat Hannes für uns eine Lachs-Forelle mit Dill für zubereitet.
Man müsste viel öfter Fisch essen.
Soviel zu den guten Sachen. Es gibt sicher noch allerhand mehr und wir sind auch weiterhin mit offenen Mündern (statt mit offenen Augen) bei der Sache und lauern auf neue Leckereien.
Neben Viili gibt es noch ein ziemlich widerliches Gericht. Es nennt sich Mämmi und ist ein traditionelles Gericht zu Ostern.
Es ist eine dunkelbraune Masse, meist in einem kartonartigen Behältnis im Kühlregal zu finden. Auf den ersten Blick könnten es auch Brownies sein und man rechnet mit einem Süßen Snack, aber auf den ersten Bissen wird man dann leider schwer enttäuscht.
Mämmi schmeckt, ohne alles, wie aufgeweichtes Pumpernickel. Man isst Mämmi beliebter Weise mit Milch oder flüssiger Sahne und Zucker.
Ich weiß nicht, ob es damit genießbarer ist, ich hab es nur pur probiert und das hat mir gereicht.
Ich würde sagen, Mämmi überholt Viili ganz knapp und steht damit auf Platz eins der Liste der ungenießbarsten Dinge in Finnland.
Makkaronilaatikko:
Nudelauflauf – hört sich im ersten Moment super lecker an. Ich mag ihn auch sehr, solange er in der Art, wie man ihn in Deutschland kennt, zubereitet ist. Ich weiß nicht was die Finnen falsch machen oder ob wir einfach nur mit dem Mensaessen Pech hatten.
In unserer Mensa gab es ihn mindestens einmal alle zwei Wochen und ich hab es gehasst. Das ist eigentlich nur eine Pampe aus zu lang gekochten Nudeln und Hackfleisch und kein bisschen gewürzt.
Die Finnen mögen es zumindest sehr gerne.
Elch:
Ich hab nur damals, als wir in Evo waren, ein kleines bisschen davon probiert, aber ich hab sehr schnell festgestellt, dass das nichts für mich ist.
Es sieht ähnlich wie Rindfleisch aus, ist aber wesentlich zäher. An den Geschmack kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern, aber er war komisch (sorry, ne bessere Beschreibung kann ich nicht liefern).
Mir hat es jedenfalls nicht geschmeckt, aber vielleicht könnt ihr euch dafür erwärmen.







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