Was man über Finnland und die Finnen wissen sollte

Mittwoch, Juni 29, 2005

Juhannus

Jedes Jahr findet zum 21.6. die Sommersonnenwende statt, dabei handelt es sich um den längsten Tag des Jahres, an dem die Sonne die längste Zeit am Himmel steht und die Nacht am kürzesten ist.
Je weiter man nach Norden kommt, umso mehr kann man zu dieser Zeit die weißen Nächte genießen und umso mehr Bedeutung erhält dieser Tag.

In Finnland wird das Mittsommerfest, oder auch Juhannus, wie es in Finnland heißt, immer am Wochenende, welches dem 21.6. am nächsten liegt, gefeiert.
Das Fest der nachtlosen Nacht ist dabei nach Weihnachten der wichtigste Feiertag des Landes.

Trotz des christlich anmutenden Namens sind die Ursprünge Juhannus als auch die bis heute gültigen Traditionen heidnischer Natur. Die ursprünglichen Namen des Festes waren Vakkajuhla (Korbfest) und Ukonjuhla (Fest des Ukko). Es wurde zu Ehren der Gottheit Ukko (Gott des Wetters, der Ernte und des Donners) gefeiert.

Juhannus wird heute traditionell auf dem Lande verbracht. Viele Finnen fahren dafür auf ihr Sommerhaus, das Mökki - ein kleines Haus, meist ohne Strom und fließend Wasser, aber mit Sauna und meist am See gelegen.
Dementsprechend sie die Städte am Vorabend von Mittsommer wie ausgestorben.

An Mittsommer selbst wird der öffentliche Verkehr stark eingeschränkt – Busse und Bahn fahren das komplette Wochenende nur selten oder gar nicht, alle Geschäfte sind geschlossen – der Finne will sich in keiner Art von seinem geliebten Juhannus ablenken lassen.

Natürlich haben sich auch einige große Musik-Festivals etabliert, so z. B. das RMJ - Raumanmeren juhannus in Rauma, zu denen tausende von Jugendlichen jedes Jahr strömen.

Überall werden zu Mittsommer riesige Feuer à juhannuskokko, meist an gut sichtbaren Plätzen, wie Stränden und Lichtungen, angezündet.
Die Finnen schmücken ihre Häuser am Eingang mit aufgestellten Birkenzweigen (juhannuskoivut) und dekorieren sie mit Blumen.


Sommerblumen

Rund um das Juhannusfeuer gibt es viele Mythen und Bräuche (auch aus anderen nordischen Ländern wie Schweden und Lettland):

Die Asche des Feuers wird zum Beispiel auf die Felder verstreut, damit sie fruchtbar werden; Liebespaare springen Hand in Hand übers Feuer und wenn ihre Hände sich beim Springen nicht loslassen, deutet dies auf eine dauerhafte Liebe hin.
Das Springen durchs Feuer gilt als Reinigungsritual und an der Höhe des Sprunges wird auf eine gute oder schlechte Ernte geschlossen.


Juhannusfeuer


Junge, unverheiratete Mädchen müssen über sieben Zäune klettern, sieben verschiedene Blumen sammeln. Sie dürfen dabei die ganze Zeit nicht reden und wenn sie des Nachts die Blumen unter ihr Kopfkissen legen, wird ihnen im Traum ihr zukünftiger Ehemann erscheinen.

Auch Lärmen und Trinken gehörten schon früh zu den Juhannus-Feierlichkeiten. Man glaubte daran, dass dies Glück bringt und die schlechten Geister vertreibt. Nach einem alten Aberglauben fiel die Ernte umso besser aus, je mehr man an Juhannus trank.