Was man über Finnland und die Finnen wissen sollte

Mittwoch, Juni 29, 2005

Zocken was das Zeug hält

Zuerst war es schon ein etwas gewöhnungsbedürftiges Bild: wozu die ganzen Spielautomaten am Ausgang von jedem Supermarkt.

Aber man gewöhnt sich ja schließlich an alles und so auch daran, dass (nicht nur) brave Hausfrauen nach ihrem Einkauf das Wechselgeld nicht in ihr Portemonnaie stecken, sondern es lieber in den nächst besten Spielautomaten investieren.
Aber nicht nur Spielautomaten, nein alles was mit Lotto, Totto, Bingo, Rubellosen oder Wetten jeglicher Art zu tun hat, findet bei den Finnen hohen Anklang.





Die Spielautomaten sind übrigens überall zu finden, nicht nur in Supermärkten, nein auch in Kneipen, Cafes und Restaurants, selbst in Discotheken, überall wo man hinschaut. Und immer wenn man hinschaut sind die Dinger besetzt. Man könnte fast meinen, Finnen wären spielsüchtig – und wenn man den Angaben im Reiseführer Glauben schenkt, dann sind sie es wahrscheinlich auch. Rund 350€ investieren Finnen pro Kopf und Jahr in Glücksspiele. Motto: Beim nächsten Mal klappt’s bestimmt.

SISU

Jeder, der schon mal was von Finnland und den Finnen gehört hat, ist wahrscheinlich unweigerlich mit diesem Wort in Berührung gekommen: Sisu.
Aber was ist das eigentlich genau?

Sisu bezeichnet eine angeblich nur den Finnen eigene Eigenschaft. Man kann das Wort kaum übersetzen, aber es bedeutet so viel wie Kraft, Ausdauer, Mut, Zuversicht oder Beharrlichkeit, besonders in scheinbar aussichtslosen Situationen.

Sisu wurde in der finnischen Geschichte besonders in der Unabhängigkeitsbewegung und im Winterkrieg beschworen. Heute wird es gerne im Sport, vor allem beim Eishockey bemüht.

Unsere Finnischlehrerin in Hämeenlinna hat uns erklärt, dass die Finnen auch viel Sisu brauchen, um die langen Winter und die damit verbunden kurzen Tag zu überstehen. Viele fallen in dieser Zeit nämlich in schwere Depressionen und auch Gedanken an Selbstmord und das Ausführen dieses sind in Finnland keine Seltenheit.

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum viele Finnen so dem Alkohol zugetan sind, vielleicht hilft der ihnen über die dunkle Zeit hinweg? Aber im Sommer trinken sie auch nicht weniger? Mhm, liegt wohl einfach im Blut.

Juhannus

Jedes Jahr findet zum 21.6. die Sommersonnenwende statt, dabei handelt es sich um den längsten Tag des Jahres, an dem die Sonne die längste Zeit am Himmel steht und die Nacht am kürzesten ist.
Je weiter man nach Norden kommt, umso mehr kann man zu dieser Zeit die weißen Nächte genießen und umso mehr Bedeutung erhält dieser Tag.

In Finnland wird das Mittsommerfest, oder auch Juhannus, wie es in Finnland heißt, immer am Wochenende, welches dem 21.6. am nächsten liegt, gefeiert.
Das Fest der nachtlosen Nacht ist dabei nach Weihnachten der wichtigste Feiertag des Landes.

Trotz des christlich anmutenden Namens sind die Ursprünge Juhannus als auch die bis heute gültigen Traditionen heidnischer Natur. Die ursprünglichen Namen des Festes waren Vakkajuhla (Korbfest) und Ukonjuhla (Fest des Ukko). Es wurde zu Ehren der Gottheit Ukko (Gott des Wetters, der Ernte und des Donners) gefeiert.

Juhannus wird heute traditionell auf dem Lande verbracht. Viele Finnen fahren dafür auf ihr Sommerhaus, das Mökki - ein kleines Haus, meist ohne Strom und fließend Wasser, aber mit Sauna und meist am See gelegen.
Dementsprechend sie die Städte am Vorabend von Mittsommer wie ausgestorben.

An Mittsommer selbst wird der öffentliche Verkehr stark eingeschränkt – Busse und Bahn fahren das komplette Wochenende nur selten oder gar nicht, alle Geschäfte sind geschlossen – der Finne will sich in keiner Art von seinem geliebten Juhannus ablenken lassen.

Natürlich haben sich auch einige große Musik-Festivals etabliert, so z. B. das RMJ - Raumanmeren juhannus in Rauma, zu denen tausende von Jugendlichen jedes Jahr strömen.

Überall werden zu Mittsommer riesige Feuer à juhannuskokko, meist an gut sichtbaren Plätzen, wie Stränden und Lichtungen, angezündet.
Die Finnen schmücken ihre Häuser am Eingang mit aufgestellten Birkenzweigen (juhannuskoivut) und dekorieren sie mit Blumen.


Sommerblumen

Rund um das Juhannusfeuer gibt es viele Mythen und Bräuche (auch aus anderen nordischen Ländern wie Schweden und Lettland):

Die Asche des Feuers wird zum Beispiel auf die Felder verstreut, damit sie fruchtbar werden; Liebespaare springen Hand in Hand übers Feuer und wenn ihre Hände sich beim Springen nicht loslassen, deutet dies auf eine dauerhafte Liebe hin.
Das Springen durchs Feuer gilt als Reinigungsritual und an der Höhe des Sprunges wird auf eine gute oder schlechte Ernte geschlossen.


Juhannusfeuer


Junge, unverheiratete Mädchen müssen über sieben Zäune klettern, sieben verschiedene Blumen sammeln. Sie dürfen dabei die ganze Zeit nicht reden und wenn sie des Nachts die Blumen unter ihr Kopfkissen legen, wird ihnen im Traum ihr zukünftiger Ehemann erscheinen.

Auch Lärmen und Trinken gehörten schon früh zu den Juhannus-Feierlichkeiten. Man glaubte daran, dass dies Glück bringt und die schlechten Geister vertreibt. Nach einem alten Aberglauben fiel die Ernte umso besser aus, je mehr man an Juhannus trank.

Montag, Juni 13, 2005

Freundlichkeit und Hilfbereitschaft

Bei diesem Stichpunkt können sich vor allem die Deutschen mal eine riesige Scheibe abschneiden.

Es ist fast unglaublich, wie abweisend manche Deutsche gegenüber ausländischen Mitbürgern sind. O.K. ich habe selber auch schon sehr schlechte Erfahrungen mit Ausländern in Deutschland gemacht, aber wenn ich die ganzen ausländischen Studenten bei uns an der FH Offenburg sehe, wie sehr sie sich mehr Kontakt zu uns Deutschen wünschen, ihn aber eher selten bekommen, dann ist das schon traurig.

Ich weiß nicht, die Finnen handhaben das alles anders, hier sind alle unheimlich freundlich zu uns. Jeder freut sich, wenn er uns sieht: „Ah, ihr kommt also aus Deutschland…“ und erzählt uns von seinem Sprachkenntnissen und Besuchen in Deutschland.
Sogar im Supermarkt vor unserem Wohnheim kennt man uns schon gut und begrüßt uns mit gebrochenem „Guten Tag“ und fragt wie es uns geht, ob es uns hier auch gefällt. Des öfteren hat man uns auch schon drauf hingewiesen, was wir unbedingt mal zu essen probieren müssen.

Auch als wir hier angekommen sind: Lasse, unser Tutor, hat sich extra ein Auto besorgt, dass er uns vom Flughafen abholen kann (das sind immerhin knapp 200 km hin und zurück), er hat uns in den ersten Tagen hier alles gezeigt und wir können auch weiterhin jeder Zeit zu ihm kommen und fragen, was uns auf der Seele brennt. Regelmäßig vor jeder Party oder sonstigen Veranstaltung, die hier stattfindet, steht er bei uns auf der Matte und fragt, ob wir mitkommen wollen.

Hanna hat uns am zweiten Tag mit dem Auto zu einer Art Großmarkt mitgenommen, wo wir erst mal Putzmittel, Wäscheständer und neues Bettzeug gekauft haben.
Als wir dann später beim Saubermachen waren, kam sie noch einmal vorbei und hat uns von ihrer Mutter neue Überzüge für unsere super ekligen Matratzen mitgebracht. Ich fand das so nett von ihr – wer würde so was in Deutschland machen???

Oder: Auf der letzten Party stand ich zum rauchen auf dem Balkon, umgeben von ca. 10 anderen Finnen. Einer von ihnen meinte dann, sie müssten jetzt alle auf Englisch reden, damit ich mich nicht benachteiligt fühle. Und siehe da, auf einmal haben sich alle auf Englisch unterhalten, nur damit ich verstehe, was sie sagen.

Land und Leute

Ich versuche das Völkchen Finnen einfach mal in ein paar kurzen Worten zu beschreiben:

Unheimlich hilfsbereit, sehr schüchtern, maulfaul (wenn sie nüchtern sind), reden ohne Ende und werden manchmal auch ganz schön ordinär (wenn sie betrunken sind), können sich am „Tag danach“ jedoch nicht mehr an dich oder ein je mit dir geführtes Gespräch erinnern.

Sie rülpsen ungeniert, aber ziehen, bevor sie die Wohnung anderer betreten immer ihre Schuhe aus, sie scheinen unheimlich nervös zu sein, zumindest können sie nie still halten.

Sie leiden unter Party- und Alkoholsucht, würden nie ohne Badesachen in eine gemischte Sauna gehen, kennen kein süßes Popkorn, haben eklige Grillwürste, die mit Mehl gefüllt sind, haben immer ihr Handy dabei, gehen hauptsächlich getrennt zur Sauna, sitzen oft auch ohne Handtuch drin und haben keine Ruheräume.

In jedem Einkaufszentrum findet man Spielautomaten, an denen die Hausfrauen oder Omas nach dem Einkauf ihr Kleingeld verzocken, hier haben sogar Sonntags die Lebensmittelgeschäfte geöffnet, die Schalter der Bahn sind sieben Tage die Woche, meist bis 21:00 Uhr oder länger geöffnet, Professoren werden grundsätzlich geduzt, die Türschlösser sind falsch herum, Alkohol (außer Bier und Cidre) bekommt man nur im Alko, Sauna gehört zum Standartprogramm in jeder Wohnung, Wohnheim, Schwimmhalle, ….

Fußgängerüberwege sind grundsätzlich kein Grund für Autos um anzuhalten, Fernsehen und Kino werden in Originalsprache mit Untertiteln (Fernsehen: Finnisch; Kino: Finnisch und Schwedisch) ausgestrahlt, alle Finnen hassen Schweden und Schwedisch und die Ansagen auf Bahnhöfen sind meist in drei, manchmal auch vier Sprachen (Finnisch, Schwedisch, Englisch, Deutsch).

Hier gibt die Sonne ein ganz anderes Licht von sich (ich bin nur am niesen J), Ein- und Zwei-Cent-Stücke sind kein gängiges Zahlungsmittel, die meisten können gut Englisch oder sogar Deutsch sprechen, Finnen lieben es, mehrmals im Jahr auf ein 24h-Party-Boot zu gehen und so richtig die Sau rauszulassen.

Hier gibt es keine Zigarettenautomaten auf der Straße oder in Kneipen, Bäckereien sind auch eher Mangelware, als Frau wird in Discotheken man ständig von besoffenen Finnen angequatscht, beim Zug fahren zahlen Studenten grundsätzlich nur 50 % des Fahrpreises und hier gibt es auch Lidl.

Hier ist alles teuer, vor allem Alkohol ( außer H&M, der kostet genauso viel wie in D), hübsche und vor allem große Männer sucht man hier, entgegen aller Vorurteile, vergeblich, Finnland im Sommer ist der Hammer, überall ist es soooo grün…

... und jetzt fällt mir nichts mehr ein. *g*

Freitag, Juni 10, 2005

Noch ein kleiner Finnischkurs

Bevor wir nach Finnland gekommen sind hatten wir zwei Tage lang einen Intensiv-Finnischkurs mit acht Stunden am Tag Finnisch, aber inklusive (typisch finnische) Verpflegung.
Zu Anfang waren wir sehr motiviert: das kann ja nicht so schwer sein, dort spricht man die Wörter genauso aus, wie sie geschrieben werden.
Schnell hat sich dann aber herausgestellt, dass es eben doch nicht so einfach ist.

Die finnische Sprache umfasst 15 verschiedene grammatikalische Fälle. Nun bin ich in Deutsch mit den vier Fällen schon teilweise überlastet. Wie soll ich mir das 15 merken?
Ein weiterer Haken bzw. resultiert der aus den vielen Fällen, ist, dass es im finnischen diese ganzen kleinen Wörter, die wir benutzen um im Haus, ins Haus gehen, aus dem Haus heraus, am Haus …zu sagen, nicht gibt.
Hier wird alles mit den Endungen gelöst: talossa, taloon, talosta, talolla

Also ich finde das zum Teil sehr verwirrend. Sobald man eine Endung falsch benutzt, ergibt der Satz eine komplett andere Bedeutung. Und die Endung wird auch nicht nur an das Substantiv, sondern genauso an alles andere außer Verben angehangen.

Dazu kommt, dass Finnen meist sehr schnell sprechen und auch die Hälfte der Wörter verschlucken, eben in einer Art Slang sprechen. Das macht es fast unmöglich überhaupt irgendetwas zu verstehen.

Ich bin froh, wenn ich die Ansage am Bahnhof auf Finnisch verstehe (obwohl die natürlich auch in Schwedisch und Englisch angesagt wird). Sonst kann ich immer nur ein paar Wörter heraushören und die Zahlen versteht man ohne Probleme.

Mir ging es auch schon oft so, dass mich die Finnen gar nicht verstehen, wenn ich versuche in ihrer Sprache zu sprechen. Finnen haben eine eher tiefe Stimme und wenn ich da ankomme und versuche was zu sagen, fangen sie immer an zu lachen – muss wirklich sehr lustig klingen.

Nichts desto trotz freuen sich Finnen sehr erfreut, wenn man versucht Finnisch zu reden und ein paar kleine Wörter wie ’Bitte’,’Danke’ oder ’Guten Tag’ sollte man dann schon drauf haben.

Daher hier eine kleine Auswahl der gängigsten finnischen Wörter:

Guten Morgen............................Hyvää huomenta.

Guten Tag................................Hyvää päivää.

Guten Abend.............................Hyvää iltaa.

Gute Nacht...............................Hyvää yötää.

Hallo........................................Terve, Hei, Moi

Tschüss...................................Hei hei, Moi moi

Bis später!................................Nähdään!

Wie geht’s?...............................Miten Menee?, Mitä kuuluu?

Danke, gut................................Kiitos hyvää.

Und selber?...............................Entä sinulle?

Danke......................................Kiitos

Bitte .......................................Ole hyvä

Entschuldigung..........................Anteeksi

Ich heiße…................................Nimeni on…

Ich verstehe nicht......................En ymmärrä.

Ich weiß nicht...........................En tiedä.


Und um die Begeisterung an der Sprache noch ein bisschen zu steigern biete ich euch auch ein paar Schimpfwörter an:


Scheiße....................................paska

Scheißkerl.................................paskiainen, paskahousu

Leck mich am Arsch.....................haista paska, haista vittu

Fuck you..................................vittu


Wer sich gerne selber etwas in der Landessprache weiterbilden will, dem sei geraten einmal bei
Finnish For Foreigners
vorbeizuschauen – wirklich gute Seite mit vielen Übungen.
Oder ihr schaut mal bei Wikipedia vorbei, da ist die finnische Sprache an sich super gut erklärt (könnte es nicht besser).

Na dann, viel Spaß beim Finnisch lernen!


Kulinarische Höhenflüge und Tiefschläge

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht wirklich viel von Essen halte, d. h. ich esse eigentlich so ziemlich alles, bin also in der Beziehung schon leicht zufrieden zu stellen, aber es ist mehr ein notwendiges Übel als das es für mich von so großer Bedeutung ist. Ich brauche kein Drei-Gänge-Menü um glücklich zu sein, mir reicht auch ein Teller Nudeln mit Tomatensoße.

Daher kommt es wahrscheinlich auch, dass ich keine allzu gute Köchin bin. Zumal ich eh so aufgewachsen bin, dass der Mann im Haus der Koch ist. Da war so, als meine Eltern noch verheiratet waren und ist auch jetzt so, bei dem langjährigen Freund meiner Mama. Bei uns haben eh und je die Männer gekocht.

Auch meine Mama mag nicht gerne in der Küche stehen, nicht, dass sie es nicht könnte, ich finde sie ist eine gute Köchin – zumal sie uns ja auch irgendwie in der Zeit, in der wir zwei Kinder mit ihr alleine waren, versorgen musste. Aber sie macht es eben nicht gerne. Trotzdem waren wir immer zufrieden mit ihren Kochkünsten. Ich kann mich noch gut an unser typisches Sommer-Mittagessen erinnern – Kartoffelbrei mit Rührei und Ketschup und dazu grünen Salat. Ich fand es immer total lecker.

Trotzdem muss ich euch doch über ein paar Kulinaritäten aus Finnland oder solche, die es gerne wären, berichten.
Fangen wir mit den guten Sachen an:

Da wären zuallererst Korvapuusti:
Korvapuusti heißt übersetzt so viel wie Ohrfeigen, sie sind ein Gebäck aus Hefe und viel Zimt, ähnlich wie Zimtschnecken.
Ich weiß gar nicht mehr, wie wir drauf gekommen sind, aber seitdem ich sie das erste Mal probiert habe, sind sie zu meinem absoluten Favoriten aufgestiegen. Wir haben sie, seitdem wir in Finnland sind, schon zwei Mal selber gebacken. Ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Sie sind echt super lecker, müsst ihr unbedingt mal probieren oder ich backe welche für euch.


Korvapuusti

Hier das Rezept:

5 dl Milch
50 g Hefe
2 Teelöffel Salz
1,5 dl Zucker
1 Esslöffel Kardamom
1 kg Weizenmehl + ein bisschen mehr für das Ausrollen
200 g Margarine o. Butter
Zimt
2 Eier
Hagelzucker
Hefe zerkleinern und in warme Milch einrühren, bis sie aufgelöst ist. Dann
Salz, Zucker und Kardamom zugeben. So viel Mehl beimischen, wie die Mischung
braucht, um sämig wie Suppe zu werden. Kräftig rühren, damit der Teig
Luft bekommt. Das restliche Mehl beimischen und zuletzt die weiche Margarine.
Den Teig ansetzen, bis er nicht mehr in der Schüssel kleben bleibt. Teig mit
Plastikfolie abdecken. Der Teig muss auf das Doppelte aufgehen. Das passiert
schneller, wenn man die Schüssel ins warme Wasser setzt. (Nicht den Teig
nass machen!) Ein Halbliter-Teig ergibt 30 Korvapuusti.
Eine Weinflasche ohne Etiketten dient als gute Teigrolle. Teig zu einer
rechteckigen Platte ausrollen. Platte dünn einfetten. Eine ganz dünne
Schicht Zimt und Zucker auf die Teigplatte streuen. Anschließend die
Teigplatte längsseits zu einer Rolle formen. Dann die Rolle mit einem
Messer in symmetrische Halb-Parallellogramme schneiden:
|/ \ / \ / \ / \ / \|
Stücke auf das Backblech legen:                                                                             
/ \    / \    / \
-------------------
Stücke mit dem Finger in der Mitte drucken:                                                                        
/U\   /U\     /U\
-----------------
Die Eier aufbrechen und das Eigelb verquirlen. Die Korvapuusti mit dem Eigelb
bepinseln. Ein bisschen Hagelzucker auf jeden Korvapuusti streuseln. Das
Backblech mit Korvapuusti in den Ofen (225 Grad) schieben. Die
Korvapuusti sind fertig, wenn sie ein goldgelb gebräunt sind.
Mit Milch oder Kaffee warm servieren.


Milchprodukte
:

Der Milchprodukte-Hersteller schlechthin in Finnland ist Valio. Alles was in irgendeiner Art mit Milch zu tun hat, sei es Milch selbst, Joghurt oder Käse, es wird von Valio hergestellt.



Valio-Milchprodukte

Milchprodukte sind in Finnland sehr beliebt. Nur ein Beispiel: In der Mensa bekommt man zum Mittagessen als Getränk Milch serviert. Die Finnen bedienen sich da immer reichlich, nicht selten sieht man sie mit bis zu drei Gläsern auf ihrem Tablett zum Esstisch laufen. Und die drei Gläser werden dann in einer riesigen Geschwindigkeit gelehrt, als wären sie Verdurstende. (Aber so sehen sie auch aus – viele Finnen sind typische ‚Milchbubis’ J)

Außerdem sind Milchprodukte (im Gegensatz zu anderen Sachen) zu erschwinglichen Preisen zu erhalten. Viele Joghurts gibt es hier im praktischen 1L-Tetrapack – die kaufen wir auch immer, für unser Müsli.

Allerdings muss man auch vorsichtig sein, man darf sich nicht von dem allgemein guten Ruf täuschen lassen. Es gibt auch gemeine Fallen: eine davon ist Viili.
Wir waren auf der Suche nach Quark, um Pellkartoffeln mit Kräuterquark zu machen, und griffen irrtümlicher Weise zu Viili.


Villi im Becher



Villi


Ich habe keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist widerlich, es ist eine zähflüssige Pampe, die wie Leim Fäden zieht, wenn man sie versucht aus ihrem Becher herauszuholen. Und schmecken tuts genauso, wie es aussieht: wie Rotze.
Nein, also das ist wirklich mal ein Tiefschlag.

Süßigkeiten:
Wenn es in Finnland eine Firma gibt, wie Milka oder Ferrero in Deutschland, so ist das hier Fazer.
Alles, was das süße Herz begehrt (vor allem meins) wird von Fazer hergestellt. Fazer ist die Schokoladenfirma schlecht hin und hat einige wirkliche Leckereien zu bieten:
Kismet, Geisha, Fazerina und jede Menge Gebäckarten.
Das müsst ihr probieren bzw. drauf hoffen, dass ich was davon mitbringe. J


Fazer-Collection

Kurkkusalaatti:
Ich bin mir nicht sicher, ob es das in Deutschland nicht auch gibt. Auf alle Fälle haben wir es dort, bei Mailis (unserer Finnischlehrerin) zum ersten Mal gegessen und ich glaube nicht, dass sie das extra aus Finnland einfliegen lässt.
Kurkkusalaatti ist, wie der Name schon verrät, ein Gurkensalat. Aber nicht mit großen Gurkenscheiben sondern alles recht klein gehexelt, zusammen mit Paprika und Zwiebeln, zu einer geleeartigen Masse vereinigt.
Es schmeckt super zu gegrilltem, zum typisch finnischen Essen Lihapullat ja perunamuusi (Fleischbällchen und Kartoffelbrei) oder einfach zu belegtem Brot à unbedingt probieren.

Fisch:
Finnland ohne Fisch ist wie Asien ohne Reis.
Im Land der Seen ist Fisch natürlich ein beliebtes Mahl. Leider haben wir hier bis jetzt nicht so viel davon zu Gesicht bekommen. Allgemein scheint man hier nicht sehr viel Fleisch (ich zähle Fisch jetzt einfach mal mit darunter) zu essen.

In der Mensa gab es bis jetzt ein Mal (O.K., vielleicht liegt es auch dran, das wir nicht oft in der Mensa waren) Fischsuppe. Eine in Milch gekochte Suppe mit Kartoffeln, Möhren und eben Fisch. Echt lecker, hätte ich im ersten Moment gar nicht gedacht.
Aber als wir zu unserem Outdoor-Wochenende in Evo waren gab es lecker Lachs in einer Kräutersoße und letzte Woche hat Hannes für uns eine Lachs-Forelle mit Dill für zubereitet.
Man müsste viel öfter Fisch essen.



Lachs-Forelle made by Hannes

Soviel zu den guten Sachen. Es gibt sicher noch allerhand mehr und wir sind auch weiterhin mit offenen Mündern (statt mit offenen Augen) bei der Sache und lauern auf neue Leckereien.

Neben Viili gibt es noch ein ziemlich widerliches Gericht. Es nennt sich Mämmi und ist ein traditionelles Gericht zu Ostern.


Mämmi


Es ist eine dunkelbraune Masse, meist in einem kartonartigen Behältnis im Kühlregal zu finden. Auf den ersten Blick könnten es auch Brownies sein und man rechnet mit einem Süßen Snack, aber auf den ersten Bissen wird man dann leider schwer enttäuscht.
Mämmi schmeckt, ohne alles, wie aufgeweichtes Pumpernickel. Man isst Mämmi beliebter Weise mit Milch oder flüssiger Sahne und Zucker.
Ich weiß nicht, ob es damit genießbarer ist, ich hab es nur pur probiert und das hat mir gereicht.
Ich würde sagen, Mämmi überholt Viili ganz knapp und steht damit auf Platz eins der Liste der ungenießbarsten Dinge in Finnland.

Makkaronilaatikko:
Nudelauflauf – hört sich im ersten Moment super lecker an. Ich mag ihn auch sehr, solange er in der Art, wie man ihn in Deutschland kennt, zubereitet ist. Ich weiß nicht was die Finnen falsch machen oder ob wir einfach nur mit dem Mensaessen Pech hatten.
In unserer Mensa gab es ihn mindestens einmal alle zwei Wochen und ich hab es gehasst. Das ist eigentlich nur eine Pampe aus zu lang gekochten Nudeln und Hackfleisch und kein bisschen gewürzt.
Die Finnen mögen es zumindest sehr gerne.

Elch:
Ich hab nur damals, als wir in Evo waren, ein kleines bisschen davon probiert, aber ich hab sehr schnell festgestellt, dass das nichts für mich ist.
Es sieht ähnlich wie Rindfleisch aus, ist aber wesentlich zäher. An den Geschmack kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern, aber er war komisch (sorry, ne bessere Beschreibung kann ich nicht liefern).
Mir hat es jedenfalls nicht geschmeckt, aber vielleicht könnt ihr euch dafür erwärmen.